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Sonntag, 17. Dezember 2006

Götterdämmerung. Alle Helden sind tot.

Michael

Der Karlsruher Ring des Nibelungen am Staatstheater Karlsruhe fand gestern seinen Abschluss mit der Premiere der "Götterdämmerung". Vor ausverkauftem Haus steuerte die Handlung über gut fünfeinhalb Stunden auf das Ende der Parabel zu.

Nachdem Brünhilde und Siegfried sich vermählt haben, überläßt Siegfried ihr den Ring, bevor er Richtung Gibichungenhof aufbricht. Dort verabreicht ihm Hagen, der Sohn von Alberich, einen Trank des Vergessens, damit er sich in Gutrune verliebt. Gunther, der Bruder Gutrunes, dagegen soll nach Hagens Willen Brünhilde ehelichen. Die folgenden Intrigen enden in einem großen Finale, in dessen Verlauf alle Beteiligten sterben und der Ring aus Brünhildes Hand den Rheintöchtern zurückgegeben wird. Nur Alberich überlebt.

Leider setzte sich mit der Inszenierung der "Götterdämmerung" der Trend fort, den Regisseur Denis Krief mit "Siegfried" begonnen hat. Im Gegensatz zu den beiden verheißungsvollen ersten Teilen "Das Rheingold" und "Die Walküre" geht sein Konzept der großen Linien und genauen Personenführung in dieser Aufführung nicht auf. Zwar gibt es starke Szenen, wenn etwa im zweiten Akt in der Gibichungenhalle das Mordkomplott an Siegfried geschmiedet wird, aber viel zu oft bleiben die gezeigten Bilder zu inhaltsleer. Am Ende ist die Bühne voll mit Holzkisten und die Protagonisten ziehen im Kreis noch einmal am Publikum vorbei, doch der Sinn will sich nicht so recht erschliessen.

Der andere Trend, der sich glücklicherweise fortsetzte, war die ausgezeichnete Leistung des Orchesters unter der Leitung von Anthony Bramall. Wieder merkte man den Musikern an, welche Freude sie an der wagnerischen Musik haben und so liesen sie sich vom Dirigenten zu einer beeindruckenden Darbietung antreiben. Damit konnte die Musik über die eine oder andere langweilige Stelle der Inszenierung hinweghelfen.

Hervorzuheben aus der insgesamt sehr guten Sängerriege ist sicherlich Ulrich Schneider, der als Hagen eine starke Vorstellung gab. Stefan Scholl als Alberich und Walter Donati als Gunther haben genauso überzeugt, wie wieder Caroline Whisnant und Edith Haller als Brünhilde un Gutrune. In einer der schönsten Szenen durften Ina Schlingensiepen, Tamara Gura und Sabrina Kögel als Rheintöchter versuchen den Ring aus den Händen Siegfrieds zu entführen. Doch Siegfried an dieser Stelle genauso kraftvoll wie der Tenor von Lance Ryan blieb standhaft.

Viel Applaus für Darsteller und Orchester und nicht wenige Buhrufe für Dennis Krief am Ende der Vorführung, die sicherlich, wenn man den ganzen Zyklus betrachtet, stark übertrieben waren. Leider konnte die "Götterdämmerung" nicht ganz das Versprechen erfüllen, dass mit den beiden ersten Teilen gegeben wurde.

Sonntag, 10. Dezember 2006

Siegfried. Der Drachentöter.

Michael

Gestern stand Teil Drei des Karlsruher Ringzyklus auf dem Programm. Beginn war wieder um 17 Uhr, diesmal allerdings an einem Samstag und einige der Besucher hatten wohl nicht mit dem gut besetzten Parkhaus gerechnet und schafften es gerade noch knapp in die Vorstellung.

Die Oper am zweiten Tag erzählt wie Siegfried der Sohn Siegmunds und Sieglindes das Schwert Nothung als der, der "das Fürchten nie erfuhr" neu schmiedet und damit den Riesen Fafner, der sich inzwischen in einen Drachen verwandelt hat, tötet. Siegfried nimmt den Ring des Nibelungen an sich und überwirft sich mit Wotan, der die Götterdämmerung heraufziehen sieht. Siegfried durchschreitet schliesslich das Feuer auf dem Brünnhildenfelsen, erweckt Brünnhilde und vermählt sich mit ihr.

Wieder beschränkt Dennis Krief seine Inszenierung auf einfache Bilder und wenige Requisiten, die Bühne wird über weite Strecken durch eine skelettartig aufgebaute Höhle bestimmt. Doch diesmal geht sein Konzept nicht auf. Während Wotan als Wanderer und Mime in ihren gegenseitigen Rätseln die Vorgeschichte rekapitulieren, wirkt die Inszenierung dröge und leer. Erst mit dem Schmieden des Schwertes durch Siegfried gewinnt sie etwas an Fahrt, bleibt aber ohne Bedeutung. Insbesondere der kammerspielartige Eindruck der das Konzept vor allem in "Das Rheingold" hat aufgehen lassen, stellt sich nicht ein.

Diese Oper ist eine Kraftanstrengung für den Darsteller des Siegfried. Und zu Beginn machte Lance Ryan auch einen sehr verhaltenen Eindruck, welcher sich aber zum kraftvollen Ende im dritten Akt hin als geschickte Krafteinteilung erwies. Mit seiner frischen, lyrischen Stimme lies er eine eher schwache darstellerische Leistung schnell vergessen. Gekonnt Matthias Wohlbrecht als Zwerg Mime. Eine nach "Das Rheingold" wieder sehr positiv auffallende Vorstellung bot Stefan Scholl als Alberich mit einer dunklen Präsenz. Ausgezeichnet auch die Darbietung von Caroline Whisnant als Brünhilde, mit einem gekonnten, allerdings sehr ausgeprägtem Vibrato. Jürgen Linn als Wanderer, Ina Schlingensiepen als Waldvogel, Mika Kares als Fafner und Ewa Wolak in der Rolle der Erda rundeten das Sängerensemble ganz ausgezeichnet ab.

Das Badische Staatstheater unter Anthony Bramall spielte die wagnersche Musik mit viel Elan, der Dirigent verlor aber teilweise, im Gegensatz zu der Leistung in den ersten beiden Opern des Zyklus, die Sänger aus den Augen.

Sänger und Sängerinnen mit einer überragenden Leistung, entäuschend leider die Inszenierung von Dennis Krief. Zweifellos hätte sich sein Konzept, welches in "Das Rheingold" und "Die Walküre" noch getragen hatte, analog zur wagnerischen Handlung weiter entwickeln müssen.

Sonntag, 3. Dezember 2006

Die Walküre. Verbotene Liebe.

Michael

Zwei Tage später und gut ausgeruht stand heute der zweite Teil des Karlsruher Ringzyklus auf dem Programm. Bei einer Dauer von 5 Stunden für die gesamte Aufführung ist ein Beginn um 17 Uhr auch nicht zu früh.

Dennis Krief setzt auch "Die Walküre" mit genauem Blick auf die handelnden Figuren um und verzichtet auf eine ausgiebige Ausstattung. Wie schon in "Das Rheingold" baut er das Bühnenbild mit wenigen Elementen und gibt den Darstellern nur wenige, wichtige Requisiten an die Hand. Kunstvoll leuchtet er die einzelnen Situationen mit farbigem Licht und verschiedenen Videoprojektionen aus.

Im ersten Akt symbolisieren nur einige Holzbalken das Heim von Hunding und Sieglinde. Die Handlung in der Siegfried von Hunding zu Kampf gefordert wird und Sieglinde und Siegfried in einer inzestuösen Vereinigung Siegfried zeugen, wird vom Regisseur als intensives Spiel zwischen den drei Handelnden gezeigt. Gesanglich waren die Leistungen in diesem ersten Akt hervorragend. Der kraftvolle Tenor von Lance Ryan als Siegmund und die unglaublich ausdrucksstarke Sopranistin Edith Haller harmonierten wundervoll, obwohl das Paar Edith Haller und Klaus Florian Vogt in der letzten Spielzeit vielleicht noch ein wenig besser war. Peter Lobert als Hunding steigerte sich nach den ersten Minuten enorm und kam vor allem während der dramatischen Herausforderung an Siegmund unglaublich klar und ausdrucksstark beim Publikum an. Noch ein Wort zu Peter Lobert, wer am Freitag in "Das Rheingold", am Samstag in "Der Freischütz" singt und dann am Sonntag noch in "Die Walküre", bringt eine beachtliche Leistung.

Der zweite Akt und der dritte stand ganz im Zeichen des erfahrenen Wotan-Darstellers Jürgen Linn und Caroline Whisnant als Brünnhilde. Ergänzt wurden beide durch Silvia Hablowetz als Fricka die wunderbar differenziert in dieser Rolle als temperamentvolle Gattin aufging.

Wieder schaffte es das Orchester unter Anthony Bramall den Sängern die wagnerische Musik kraftvoll zu Füßen zu legen. Man spürte förmlich den Spass, den die Musiker beim Spielen hatten.

"Die Walküre" ist eine mitreißende und herausragende Inszenierung die heute mit tollen Leistungen der Darsteller und des Orchesters präsentiert wurde. Nur die Premierenbesetzung in der letzten Spielzeit schaffte es einen Tick besser zu sein.

Freitag, 1. Dezember 2006

Das Rheingold. Ein Versprechen.

Michael

Unter für mich schlechten Voraussetzungen begann heute der Zyklus des "Ring des Nibelungen" in Karlsruhe. Da ich einen langen Arbeitstag hinter mir hatte, war ich schon zu Beginn der Vorstellung von "Das Rheingold" entsprechend müde. Dem Publikum am Freitag abend eine fast dreistündige Aufführung ohne Pause zuzumuten, halte ich für einen Fehler.

Ein durchweg spärliches Bühnenbild prägt die Aufführung. Ein aus Steinen gelegter Halbkreis wird mit der Drehbühne in die jeweils passende Position gerückt. Drei rostige Wandelemente in gebogener Form bilden durch ihre unterschiedliche Anordnung die Schauplätze für die Begegnung mit den Göttern vor dem Palast Walhall oder dem listigen Diebstahl in Nibelheim. Ausser den zeitlosen Kostümen reichen ein Speer für Wotan, ein Netz für Loge und ein paar Säcke für den Goldschatz, um die Handelnden auszustatten.

Die Umsetzung der Geschichte um die Entstehung des Ringes und dessen Diebstahls ist Regisseur Dennis Krief ausgesprochen gut gelungen und lebt vor allem vom Spiel der Darsteller. Diese agieren alle sehr differenziert und es bleiben keine Zweifel über die Motive und Absichten der Figuren. Besonders gut gelungen ist Dennis Krief die Darstellung der beiden Riesen Fasolt und Fafner.

Nicht nur darstellerisch, sondern auch gesanglich überzeugte heute Ulrich Schneider als Fasolt. Wolfgang Koch zeigte als Wotan eine gute Leistung und hatte in Stefan Stoll als Alberich seinen Gegenpart und mit Matthias Wohlbrecht als Loge einen Mitstreiter. Insgesamt bot das ganze Ensemble eine solide Leistung, ohne dass ein Darsteller besonders hervorgetreten ist. Einzig Christina Niessen als Freia klang in einigen Passagen etwas unsicher.

Im Orchester unter der Leitung von Anthony Bramall hatten die Bläser zu Anfang ein paar kleine Probleme, fingen sich aber sehr schnell wieder. Bramall dirigierte das Orchester stets so, dass den Sängern der optimale Klangteppich geboten wurde, den sie auch zu nutzen wussten.

Gefallen hat mir die Inszenierung, die sich auf das Wesentliche beschränkt und die mystische Heldengeschichte durch das Spiel ihrer Darsteller transportiert. Zusammen mit soliden Leistungen der Sänger und einem gut aufgelegten Orchester formte sich eine sehr gute Vorstellung mit dem gefühlten Versprechen auch noch die freie Luft nach oben in den folgenden Teilen des Ringzyklus zu nutzen.

Donnerstag, 30. November 2006

Der Ring des Nibelungen

Michael

Anfang Dezember kann man am Badischen Staatstheater in Karlsruhe seit über 10 Jahren wieder eine komplette Aufführung des "Ring des Nibelungen" von Richard Wagner erleben. In den vergangenen Spielzeiten wurde der Zyklus von Regisseur Dennis Krief nach und nach aufbereitet, im Jahr 2004 "Das Rheingold", im Jahr 2005 "Die Walküre" und nun "Siegfried" und "Götterdämmerung". Ich werde berichten ...

Eine Wiederholung des kompletten Zyklus in dieser Spielzeit kann man an Ostern 2007 sehen.

Freitag, 27. Oktober 2006

Mefistofele. Gewandelt.

Michael

Als Wiederaufnahme bringt das Badische Staatstheater in dieser Spielzeit die Oper Mefistofele von Arrigo Boito, die am 29. Mai 2004 in Karlsruhe Premiere gefeiert hat. Im Zuge dieser Premiere wurde Konstantin Gorny in der Rolle des Mefistos 2004 als Bester Sänger der Opernwelt nominiert. Auch die anderen Partien werden in der orginalen Besetzung und allesamt von Ensemblemitgliedern des Badischen Staatstheaters gesungen.

Was hat es allerdings zu bedeuten, wenn zu Beginn der Aufführung der Spielleiter auf die Bühne tritt? Nach eigener Aussage nichts Gutes. Barbara Dobrzanska sei erkrankt, die Aufführung werde aber trotzdem stattfinden und Barbara Dobrzanska als Margarete und Helena spielen, während eine kurzfristig engagierte Sängerin die beiden Rollen singen werde.

Auf der Bühne bestimmten zwei überdimensional große Bücherregale die Kulisse über die ganze Vorstellung hinweg. Der intelligente Einsatz der Drehbühne sorgt trotzdem für eine abwechslungsreiche Bebilderung der in sechs Teilen (Prolog, 4 Akte und Epilog) komponierten Oper. Inmitten dieser intellektuell anmutenden Kulisse bildet für Arrigo Boito sicherlich Mefisto das Zentrum der Geschichte. Sein Gegenpart Faust bewegte sich in vielen Szenen geradezu synchron zu Mefisto und in anderen wie von Mefisto an Fäden gezogen.

Hmmm ...

Konstantin Gorny ist in dieser Rolle fantastisch. Mit seiner hervorragenden Bassstimme hat er Mefisto eine geradezu unheimliche Präsenz verliehen. Dazu noch sein diabolisches Spiel und Mefisto nahm Gestalt an. Überhaupt ist die Inszenierung von Alexander Schulin und Christoph Sehl vor allem wegen der darstellerischen Leistungen sehr gelungen. Ausgezeichnet wurde auch die Rolle des Faust von Mauro Nicoletti interpretiert und gesungen. Schade war natürlich, dass Barbara Dobrzanska nicht singen konnte, aber der Sopranistin Michele Capalbo gelang ebenfalls eine beeindruckende sängerische Leistung. Ohne Tadel auch Sabrina Kögel und Hans-Jörg Weinschenk in den Nebenrollen.

Unter der Leitung von Uwe Sandner gelang dem Orchester eine sehr gute Darbietung, auch in wunderbarer Harmonie mit dem Chor, der einige kraftvolle Szenen hatte.

Die wenig bekannte Oper Mefistofele gehört in dieser Inszenierung und Besetzung mit zu dem Besten, was in Karlsruhe produziert wurde. Komplett dargeboten von Ensemblemitgliedern ist dieses Stück auch in der Wiederaufführung ein Muss für alle, die es noch nicht gesehen haben.

Sonntag, 22. Oktober 2006

Romeo und Julia. Zauberhaft trotz Tragik.

Michael

Sergei Sergejewitsch Prokofjews Komposition des Balletts Romeo und Julia nach William Shakespeare wurde vom Badischen Staatstheater in einer Choreographie des Engländers Kenneth MacMillan auf die Bühne gebracht. In der klassischen Inszenierung zeichnete sich Paul Andrews für Bühne und Kostüme und Julie Lincoln für die Einstudierung verantwortlich.

Hmmm ...

Als Ballettunkundiger möchte ich mir hier kein Urteil über die Choreographie anmaßen, der erste Akt erschien mir etwas zu langatmig, ansonsten hat mir der Tanz ausgesprochen gut gefallen. Die Tänzer konnten mich durchweg überzeugen, besonders aufgefallen ist mir dabei die Darbietung von Terence Kohler als Mercutio, der zugegebenermaßen auch eine umfangreiche Rolle spielt. Beeindruckend waren die rasant choreografierten Degengefechte.

Sehr gut ist die fantastische Musik von Prokofjew Musik von der Badischen Staatskapelle umgesetzt worden. Trotz der sehr schwierigen Partitur und der wenigen Proben merkte man dem Orchester den Spaß am Spiel deutlich an. So waren auch die wenigen Fehler zu verzeihen, die sich ab und an einschlichen.

Insgesamt ein zauberhafter Abend trotz des tragischen Endes auf der Bühne.

Sonntag, 24. September 2006

Theaterfest

Michael

Gestern fand das alljährliche Theaterfest zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Badischen Staatstheater in Karlsruhe statt. Bei wundervollem Wetter habe ich es geschafft mir gegen Mittag einen kleinen Snack zu holen, das Ende der offenen Probe der romantischen Oper "Der kleine Prinz" anzusehen, der Big Band des Helmholtz-Gymnasiums zu lauschen und noch ein wenig bei der Kostümversteigerung zuzuschauen.

Leider wurde ausgerechnet eine Oper zur offenen Probe ausgewählt, die mich in der letzten Spielzeit überhaupt nicht überzeugt hat und warum der zweite Teil der Probe für CD Aufnahmen genutzt wurde, obwohl natürlich dauernd Zuschauer ein- und ausgingen, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Die Big Band des Helmholtz-Gymnasiums dagegen war ausgesprochen gut und die jungen Leute hatten ein tolles Programm zu bieten. Bei der anschliessenden Versteigerung gab es dann einige tolle Kostüme von skurill in Papier bis elegant in Seide zu erstehen.

Neu in dieser Spielzeit sind abgesehen vom Spielplan die Bezeichnungen des kleinen und des großen Hauses, die nun Schauspielhaus und Openhaus heißen.

Und wer sich bisher noch nicht sicher ist, ob er die Architektur des Theaters gut finden soll oder nicht, kann ja mal einen Blick auf die Karte werfen. Wunderschön!

Nachtrag:

Moderiert wurde die Kostümversteigerung von Heiner Kondschak. Kennt noch jemand den Namen des Programms mit dem Improvisationswettbewerb zweier Teams, das er moderiert hat? Gibt es das noch?

Montag, 24. Juli 2006

Der Freischütz. Daneben!

Michael

Am Samstag wurde in Karlsruhe die zweite Premiere der Oper "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber aufgeführt. Nachdem die Premiere mit der ersten Besetzung leider nicht so gute Kritiken bekommen hatte, waren die Erwartungen entsprechend gedämpft. Lohnenswert war der Abend mindestens deshalb, weil die beiden Frauenrollen von zwei jungen Sängerinnen gesungen wurden, die beide ab der kommenden Spielzeit zum festen Ensemble gehören werden (und unter anderem das schwere Erbe der wunderbaren Janja Vuletic antreten müssen).

Hmmm ...

Die Inszenierung stellte sich so dar, wie in vielen Kritiken der ersten Premiere angedeutet: Altbacken und langweilig. Das Thema der Oper wurde ohne viel Fantasie mit einfachen Bilder, herkömmlichen Kostümen und viel Nebel kurz vor der Pause von Achim Thorwald umgesetzt.

Die gesanglichen Leistungen waren in ihrer Summe ebenso wenig überzeugend. Klaus Schneider als Max war gut, Diana Tomsche als Ännchen konnte gefallen, wenn sie auch noch mit mehr Selbstbewusstsein dem Orchester gegenübertreten müsste. Der Sopran von Christina Niessen als Agathe dagegen war sehr unausgeglichen und Ulrich Schneider als Kasper auch kein Höhepunkt.

Wäre nicht die Neugierde auf Christina Niessen und Diana Tomsche gewesen, hätte man sich den Abend schenken können.

Montag, 19. Juni 2006

Turandot. Unvollendet.

Michael

Wie letzte Woche bereits angekündigt wurde gestern Abend in Karlsruhe die Premiere von Puccinis Oper "Turandot" gegeben. Von Giacomo Puccini nie vollendet, wurde die Oper nach seinem Tod in der Regel mit einem später hinzukomponierten Schluss aufgeführt. Am Badischen Staatstheater entschloss man sich hingegen die Aufführung mit dem letzten Ton Puccinis nach guten zwei Stunden enden zu lassen.

Inspiriert von einem Märchenstück des venezianischen Dramatikers Carlo Gozzi erzählt Puccini die Geschichte der eiskalten Prinzessin Turandot in einem mystischen China am Hofe Kaiser Altums. Nur die Kostüme auf einer fast leeren Bühne zu Beginn des Stückes erinnerten an den chinesischen Hintergrund der Geschichte. Erst im zweiten Akt, wenn von den kaiserlichen Ministern Ping, Pang und Pong die neue Prüfung vorbereitet wird, wird die Bühne mit Puppen besiedelt. Der groß besetzte Chor war in seinen Auftritten meist über den Köpfen der Solodarsteller auf der gesamten Breite der Bühne präsent. Zum Ende mit dem Tode der Sklavin Liu finden sich die Darsteller erneut auf einer leeren Bühne wieder.

Hmmm ...

Statt eine bunte Kostümoper zu inszenieren, wie es der mystisch chinesische Hintergrund vielleicht nahegelegt hätte, hat sich Regisseur Denis Krief mit seinem Bühnenbild sehr zurückgehalten und nur einige abstrakte symbolische Requisiten verwendet. Lediglich im zweiten Akt bevölkert er die Bühne mit Menschen darstellenden Puppen und setzt damit eine wirklich interessante und wirkungsvolle Idee um. Denn Caroline Whisnant als Prinzessin Turandot und Lance Ryan als Fürst Kalaf singen, statt direkt miteinander, jeweils mit einer, dem anderen ähnlich sehenden, Puppe. Auch das Spiel der Darsteller legte Krief - fast zu - zurückhaltend an, bis auf die drei Minister Ping, Pang und Pong, gesungen von Klemens Sander, Andreas Heideker und Matthias Wohlbrecht, die an vielen Stellen wohl komisch sein sollten, aber eher albern gewirkt haben. Der maximal besetzte Chor dagegen wurde sehr schön in Szene gesetzt.

Es verwundert wenig, dass Puccini den nie geschriebenen Schluss seiner Oper wenig bombastisch anlegen wollte, hatte das Orchester doch in den ersten drei Akten genügend Gelegenheit, den Chor bei seinen wuchtigen Einlagen zu unterstützen. Hier hätte dann vielleicht doch etwas auf die Lautstärke geachtet werden sollen, die teilweise einfach zu laut ausfiel. Abseits dieses Kritikpunktes muss man dem Orchester unter der Leitung von Anthony Bramall, ebenso wie dem Chor, eine beachtliche Leistung attestieren.

Der Musik Puccinis kann man sich vor allem im dritten Akt kaum entziehen. Da ist natürlich die wohl berühmteste Arie überhaupt, "Nessun Dorma", die Lance Ryan bravourös meisterte, wenn ihm auch die Anspannung dabei anzumerken war. Noch intensiver wurde es aber gegen Ende, wenn sich auch die Handlung mit Lius Freitod auf den Höhepunkt zubewegte. Der warme Sopran von Rosita Kekyte gab die Partien der Liu ausgezeichnet wieder und harmonierte gestern wunderbar mit Lance Ryan. Leider passte Caroline Whisnant als Turandot nicht wirklich zu den beiden, obwohl sie die schwere Partie gut gesungen hat.

Die Beteiligten wurden dann am Ende mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen belohnt. So ist die große italienische Oper am Staatstheater in Karlsruhe jedenfalls ein Genuss.

Sonntag, 11. Juni 2006

Vorschau: Turandot

Michael
Ein italienischer Komponist schreibt eine Oper mit chinesischer Handlung, die von einem deutschen Orchester unter der Leitung eines britischen Dirigenten interpretiert und von einem französischen Regisseur mit einer polnischen Darstellerin inszeniert wird. Ich hoffe ich habe keine beteiligte Nation vergessen ...

Bei der heutigen Einführungsveranstaltung am Badischen Staatstheater zu Giacomo Puccinis Oper "Turandot" ging es hauptsächlich um die Herkunft der Geschichte und die Probleme Puccinis die Oper fertigzustellen. Trotz der sehr interessanten Einblicke war es schade, dass Dirigent Anthony Bramall und Regisseur Denis Krief nicht mehr auf ihre kommende Aufführung am nächsten Sonntag eingegangen sind. Die musikalischen Einlagen kamen heute von den kaiserlichen Ministern Ping, Pang, Pong und der Sklavin Liu.

Da ich die Oper noch gar nicht kenne, bin ich gespannt, wie die für Ostasien charakteristische Pentatonik in die Musik Puccinis Einzug gehalten hat. Und ich freue mich auf Barbara Dobrzanska, der als Sklavin Liu wieder eine ihrer grandiosen Sterbeszenen gelingen könnte.

Aktualisierung am 18. Juni

Entgegen meiner Informationen hat bei der Premiere nicht Barbara Dobrzanska die Sklavin Liu gesungen, sondern Rosita Keykyte, die mir bereits als Elettra in Idomeneo gefallen hat.

Samstag, 6. Mai 2006

Tipp: Sonderkonzert Panzerkreuzer Potemkin

Michael
Die Badische Staatskapelle gibt morgen in Karlsruhe im Rahmen der Europäischen Kulturtage ein Sonderkonzert. Das Orchester spielt Musik von Dmitri Schostakowitsch während der Stummfilmklassiker "Panzerkreuzer Potemkin" von Sergej Eisenstein gezeigt wird. Die Generalprobe verspricht eine fulminante und beeindruckende Vorstellung.

Dienstag, 25. April 2006

Mazeppa. Verrat und Wahnsinn.

Michael

Zur Eröffnung der 18. Europäischen Kulturtage mit der Stadt Moskau im Mittelpunkt wurde am Samstag die Oper "Mazeppa" von Peter Tschaikowski im Badischen Staatstheater in Karlsruhe aufgeführt. Nach einigen eröffnenden Worten verschiedener Herren aus der Politik mit stark vermindertem Unterhaltungswert öffnete sich nach der klassischen Ouvertüre der Vorhang zum ersten Akt.

Klare geometrische Linien beherrschten die leicht nach vorne geneigte, in den Farben Schwarz und Weiß gehaltene Bühne. Zentrales Element waren die überlebensgroßen, blutroten Buchstaben, die den Namen "Мазепа", der Hauptfigur dieser Geschichte um den Hetman der ukrainischen Kosaken, bildeten.

Basierend auf dem Roman "Poltawa" von Alexander Puschkin erzählt Tschaikowsky und sein Texter Wiktor Burenin die Geschichte des alten Mazeppa, der die junge Maria, Tocher von Kotschubej, zur Frau will. Als dieser sich weigert, seine Tochter freizugeben, stellt Mazeppa diese vor die Wahl und sie entscheidet sich gegen ihre Familie, für Mazeppa. Von seiner Frau Ljubow zur Rache angetrieben beschließt Kotschubej, Mazeppa beim Zaren wegen seiner geheimen Umsturzpläne anzuschwärzen. Der Zar glaubt den vorgetragenen Vorwürfen nicht und verrät seinerseits den Verrat Kotschubejs an Mazeppa, der diesen umgehend in den Kerker werfen und foltern lässt. Von ihrer Mutter erfährt Maria davon und verfällt, von Mazeppa entäuscht, dem Wahnsinn.

Hmmm ...

Regisseur Dominik Neuner verpasste seiner Inszenierung eine klare und einfache Bildersprache mit viel Symbolik. Bei stimmigem Bühnenbild und Kostümen beschränkten sich Roland Aeschlimann und Ute Frühling auf die Farben Schwarz & Weiß, Rot und Abstufungen von Grau. Lediglich Wilja Ernst-Mosuraitis als Ljubow stach mit ihrem violettem Kleid hervor. Die Verwendung der immer gleichen Elemente in immer anderer Anordnung stellte leider auch die Bühnenarbeiter vor eine kaum zu bewältigende Aufgabe: Der Umbau in den Pausen zwischen den Szenen dauerte meist unangenehm lange.

Gesanglich hervorragend war an diesem Abend Walter Donati als Mazeppa. Sehr präsent und mit einer wunderschönen Arie im zweiten Akt. In ihrer Rolle als Maria dagegen nicht so stark wie gewohnt Barbara Dobrzanska, vor allem weil man schon viel Besseres, wie die herausragende Sterbeszene als Angelica in "Il trittico", von ihr gesehen und gehört hat. Konstantin Gorny dagegen merkte man an, dass er mit viel Freude und Ausdruck den Kotschubej in seiner Muttersprache gesungen hat.

Das Orchester kam in großer Besetzung etwas schwer in die Gänge und hatte auch zum Ende hin einige Schwächen, konnte aber in der Summe die mächtige Musik Tschaikowskys unter der Leitung von Uwe Sandner, der in der nächsten Spielzeit als GMD nach Kaiserslautern wechselt, gut transportieren.

Insgesamt ein gelungener Auftakt für die Europäischen Kulturtage. Ohne einen herausragenden Höhepunkt, aber mit allen Beteiligten auf hohem Niveau.

Montag, 27. März 2006

Der kleine Prinz. Ungelesen!

Michael
Am vergangenen Samstag fand im Badischen Staatstheater in Karlsruhe die szenische Uraufführung der romantischen Oper "Der kleine Prinz" von Nikolaus Schapfl statt. Dieses Werk von 1997 ist die einzige durch die Erbengemeinschaft des Buchautors Antoine de Saint-Exupéry autorisierte Version für das Musiktheater.

Ein riesige, von der Decke herabhängende Tafel diente zur Ouvertüre als Projektionsfläche der Namen vom Stück, Komponist, Librettist und so fort. So wurde zunächst zu Beginn der Eindruck einer Filmvorführung geweckt. Doch schon während dessen betrat Robert Crowe in der Rolle des kleinen Prinzen die Bühne. In den folgenden zwei Stunden und fünfzehn Minuten wurde in zwei Akten die Geschichte des kleinen Prinzen von der Begegnung mit dem Piloten über die Geschehnisse bei seiner Reise bis zur Aussprache mit dem Fuchs und seiner Rückkehr auf seinen Asteroiden erzählt. Immer mit dabei die Erinnerung an seine Blume, seine Rose. Die Theaterbühne wurde beherrscht von einem gewaltigen, in Plastik verpackten Flugzeugwrack, welches nur für eine kurze Chorszene aus dem Mittelpunkt rückte. Die surrealen Elemente der Buchvorlage waren Inspiration für die ausgefallenen Kostüme, insbesondere der Bekanntschaften, die der kleine Prinz auf seiner Reise vom Asteroiden zur Erde macht.

Hmmm ...

Der kleine Prinz? Ich gestehe, ich habe es nie gelesen. Zweifelslos eine Lücke und unbedingt ein Fehler, will man die Oper von Nikolaus Schapfl genießen. Dem Libretto merkt man doch deutlich an, dass der Erbengemeinschaft eine hundertprozentige Werktreue ungeheuer wichtig war. Nicht umsonst waren vor Schapfl rund 70 Bewerber als Komponisten abgelehnt worden. Dies hielt Schapfl offensichtlich davon ab, die Texte passend für ein musikalisches Bühnenstück aufzubereiten; nur Kürzungen konnte er natürlich nicht vermeiden. So präsentierte sich dann auch eine Handlung, die dem Unwissenden an einigen Stellen deutlich zuviel Antizipation abnötigte. Wenn Bernhard Berchthold als Pilot, der in der Aufführung leider nicht als Erzähler der Geschichte zu erkennen war und deshalb schon seine eigene Daseinsberechtigung in Frage stellte, dem Prinzen mitteilte, er wisse, warum der Prinz so niedergeschlagen sei, so leuchtete der Grund nur den ehemaligen Lesern der Buchvorlage sofort ein. Im Galopp wurden die Begegnungen des Prinzen mit dem König (überzeugend: Peter Lobert), dem Eitlen (Klemens Sander), dem Säufer (Luiz Molz), dem Kaufmann (Tero Hannula), dem Laternenanzünder (Andreas Heideker) und dem Geografen (zu leise: Mika Kares) abgehandelt. Trotzdem, oder gerade wegen der stereotypischen Abarbeitung dieser Szenen, stellte sich etwas Langeweile ein.

Beeindruckte der Hauptdarsteller Robert Crowe mit einem enormen Tonumfang als Countertenor in der Sopranlage, agierte er schauspielerisch allerdings nicht ganz überzeugend. Gesanglich und darstellerisch ein wunderbarer Gegenpart war Sabrina Kögel als Blume des Prinzen und später auch als Schlange. Kurz nachdem der Fuchs (John Pickering) seinen wohl bekanntesten Satz zum Besten gab, "Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." lies Regisseur Peer Boysen nochmals die Tafel erscheinen und zeigte überflüssige und lange Texte. Saß man nun im Kino? Laß man nun ein Buch? Oder war es doch eine Opernvorstellung?

Das Orchester spielte zweieinhalb Stunden routiniert und unaufregend. Die Musik von Nikolaus Schapfl erinnert doch stark an die gefällige Untermalung eines Kinofilmes.

Zum Ende gab es - vor allem von Kennern des Buches - langen Applaus. Ich halte es da eher mit Douglas Adams, der überzeugt davon war, dass derselbe Stoff für unterschiedliche Medien gründlich angepasst werden muss. Und das ist hier nicht gelungen.

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Michael Baumgärtner